Veröffentlicht in Reisen

Wart‘! Berg, du sollst mir eine Burg werden!

Mit diesem Ausspruch soll Ludwig der Springer 1067 entschieden haben, die Wartburg zu bauen. Wahr oder nicht, 1080 wird die Burg erstmals urkundlich erwähnt und sie spielt seitdem eine zentrale Rolle in der deutschen Geschichte.

Schwarz-rot-gold weht die Fahne neben dem Kreuz auf dem Dach der Burg, die derzeit in Erwartung des 500-Jahr-Jubiläums der Reformation im Jahr 2017 renoviert wird. Die Wartburg wird deshalb herausgeputzt, weil der Reformator Martin Luther 1521/22 hier als „Junker Jörg“ in nur 10 Wochen das neue Testament ins Deutsche übersetzt und so die deutsche Schriftsprache geschaffen hat. Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass es zu jener Zeit eine Vielzahl von Dialekten gab und noch keine modernen Hilfsmittel wie ein Duden oder das Internet zur Verfügung standen. Außerdem hatte Luther keine Schreibmaschine, keinen Computer, noch nicht mal ein beheiztes Zimmer oder einen Kugelschreiber. In Luthers Arbeitszimmer, in dem er als Vogelfreier rund ein Jahr im Schutz des thüringischen Fürsten lebte, steht noch der Walknochen, der ihm als Fußschemel diente. Der sagenumwobene Tintenfleck ist nicht mehr zu sehen – bereits kurz nach dem Tod Luthers pilgerten seine Anhänger zur Wartburg und kratzten den Verputz ab.

Aber nicht nur Männer wie Luther, Eschenbach, Vogelweide, Goethe, Liszt und noch viele mehr besuchten die Wartburg, lebten bzw. wirkten dort, sondern auch eine Frau spielt eine zentrale Rolle in der Geschichte der Burg. Die Rede ist von Elisabeth von Thüringen, der heiligen Elisabeth. Als Vierjährige kam die ungarische Prinzessin auf die Wartburg, bereits verlobt mit Ludwig IV., den sie zehn Jahre später heiratet. Sie war sehr fromm und lebte nach dem franziskanischen Vorbild der Armut und Nächstenliebe. Zahlreiche Legenden ranken sich um ihr Leben, am bekanntesten ist wohl jene über das Rosenwunder. Nach dem Tod ihres Mannes muss die junge Mutter von drei Kindern die Wartburg verlassen, 24-jährig stirbt sie einige Jahre später in Marburg. Vier Jahre nach ihrem Tod wird sie bereits heilig gesprochen.

Am Ende der sehr interessanten Führung besichtigen wir noch den Saal, in dem das Wartburgtreffen stattfand: 1817 marschierten einige Hundert Studenten vom Zentrum Eisenachs hinauf auf die Burg, um die Einheit Deutschlands zu fordern.

Nach dem Besuch der Wartburg geht’s weiter nach Weimar. Kühles Wetter empfängt uns in der Goethestadt – sehr angenehm! Aus unserem Mansardenzimmer sehen wir über die Stadt und wir beschließen, gleich nach der Ankunft ins Zentrum zu spazieren. Dort erwartet uns – mal wieder – eine Baustelle. Den umfassenden Stadtspaziergang verschieben wir auf den nächsten Tag, da es bei Regen doch nicht so prickelnd ist, länger draußen zu sein.

Am nächsten Morgen steht zuerst Buchenwald auf dem Programm, Zeugnis und Mahnmal für das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Das KZ ist beeindruckend und bedrückend und das graue, windige Wetter trägt das Seine zur Stimmung bei. Von den Baracken und Gebäuden steht kaum noch eines, das meiste wurde nach dem Krieg zerstört. Einiges blieb aber original erhalten, wie beispielsweise das Krematorium, das Haupttor, die Wirtschaftskammer. Man kann sich kaum vorstellen, unter welchen Bedingungen hier Hunderttausende von Gefangenen untergebracht waren, wie sie ums tägliche Überleben kämpften und schlussendlich doch in den meisten Fällen zum Tode verurteilt waren.

„Mehr Licht!“

Am Nachmittag wenden wir uns dem größten deutschen Dichter zu: Johann Wolfgang von Goethe. In seinem Wohnhaus am Frauenplan wurde bereits kurz nach seinem Tod ein Museum eingerichtet – wie er selbst verfügt hatte. In diesem Haus lebte Goethe rund 50 Jahre lang, zusammen mit seiner Frau Christiane Vulpius und seinen Kindern. Im großen Garten entspannte sich der Dichterfürst und nutzte ihn auch, um biologische Studien an Pflanzen durchzuführen. Im roten Gartenhaus bewahrte er Steine und Mineralien für seine geologischen Studien auf. Zahlreiche Bilder, Porträts, Büsten, Majolikas und natürlich Tausende von Büchern finden sich in Goethes Haus. Unverrückt stehen auch noch sein Bett und sein Stuhl, in dem der Dichter, Politiker und Wissenschaftler am 22. März 1832 – angeblich mit den oben zitierten letzten Worten – aus dem Leben schied.

Dresden, das Elbflorenz, begrüßt uns ebenfalls mit Regenwetter. Angenehme Kühle lässt uns vergessen, dass wir in Hamburg bei 30 Grad geschwitzt haben. Am nächsten Morgen, also heute, sieht’s etwas anders aus: Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und sommerliche Temperaturen empfangen uns, als wir zum Bus gehen. Im Zentrum gehen wir zielstrebig zur weltberühmten Frauenkirche. Die im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstörte Kirche ist erst seit knapp zehn Jahren wieder aufgebaut und zugänglich. Eindrucksvoll dominiert sie die Stadtsilhouette, weithin erkennbar. Von der Kuppel aus hat man einen tollen Überblick über Dresden und sein Umland bis hinüber zur Sächsischen Schweiz. Von der Frauenkirche geht’s weiter zum Altmarkt, zur Kreuzkirche und zum Rathaus; durch glühende Hitze spazieren wir noch zum Stadtschloss, zur Semperoper, zum Zwinger und fahren schließlich noch raus zur Yenidze, einer ehemaligen Tabak- und Zigarettenfabrik, die wie eine Moschee aussieht. Erschöpft und verschwitzt kehren wir dann ins Hotel zurück, insgeheim schon etwas froh, dass wir bald wieder heimwärts fahren.

Aufgrund der späten Stunde folgen Fotos morgen oder am Wochenende 🙂

(Klick aufs Bild zum Vergrößern)

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2 Kommentare zu „Wart‘! Berg, du sollst mir eine Burg werden!

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